Jede und jeder muss für sich ganz persönlich entscheiden, ob das Thema Exkursionen für den eigenen Hof in Frage kommt. Prinzipiell gibt es sehr viele verschiedene positive Gründe, warum es sich für jeden einzelnen Betrieb wirklich lohnen kann, die Hof- und Stalltüren für betriebsfremde Personen zu öffnen (LK NÖ, 2016):
Ein fachlicher Austausch mit Berufskolleg:innen – eine Win-win-Situation für alle Beteiligten Fachexkursionen
für andere Bäuerinnen und Bauern anzubieten bringt neben den Exkursionseinnahmen einen fachlichen Austausch und sie können auch für den eigenen Hof sehr befruchtend wirken. Jede und jeder bringt sein Know-how ein und der Blick von außen durch andere Spezialist:innen führt zu neuen Sichtweisen.
Eine zusätzliche Variante ist es, Exkursionen für Landwirt:innen aus anderen Ländern anzubieten. Das eröffnet einen spannenden internationalen Austausch – eventuell mit der Möglichkeit, selbst auch landwirtschaftliche Betriebe im Ausland zu besuchen. Gelegenheit dafür bieten sogenannte „Cross-Visits“, also Betriebsbesuche im Ausland, im Rahmen von Horizon Europe geförderten Projekten. Nähere Infos dazu erhalten Sie bei Ihrer Landwirtschaftskammer bzw. auf deren Website.
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Durch meine „Schule am Bauernhof“ Erfahrungen mit den Kindern ist mir richtig bewusstgeworden, wie wichtig es ist, den Hof auch für Erwachsene zu öffnen. Es ist für mich ein großes Anliegen, Konsument:innen die Hintergründe der Produktion von Rindfleisch und die Vorzüge des AMA-GütesiegelProgrammes zu erklären.“
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Alle reden mit, wenn es um Landwirtschaft geht
Wenn über Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion gesprochen wird, hat plötzlich jede:r eine Meinung und möchte mitdiskutieren. Leider sind nur mehr ca. 3,1% der österreichischen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig und immer weniger Menschen haben die Chance, selbst regelmäßig Erfahrungen am Bauernhof zu sammeln, weil sie keine bäuerlichen Betriebe in ihrem direkten Umfeld haben. Viele Österreicher:innen sind in Städten und Ballungsräumen zu Hause.
In der Öffentlichkeit wird sehr oft ein kontroverses Bild der Landwirtschaft gezeichnet, einerseits als Bauernhofidylle mit der Bäuerin im Dirndlkleid beim Heumachen und andererseits als „Massentierhaltungsfabrik“ oder Gewässerverschmutzer. Im Zeitalter der Informationsflut ist der Wahrheitsgehalt oft schwer zu überprüfen und die Konsument:innen werden auch zunehmend kritischer. Landwirt:innen können am besten aktiv und authentisch über ihre Arbeit in der Landwirtschaft berichten.
Wir als Bäuerinnen und Bauern sollten den Dialog mit der Öffentlichkeit heutzutage daher selbst aktiv suchen. Warum? Weil sich die Menschen so oder so ein Bild von der Landwirtschaft machen. Die Kernfrage ist: „Wer zeichnet dieses Bild?“ Die Kluft zwischen der „echten Landwirtschaft“ und der gesellschaftlichen Wahrnehmung sollte von uns Landwirt:innen selbst geschlossen werden.
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„Kreislaufwirtschaft ist uns ein großes Anliegen. Daher halten wir zusätzlich zu unserem Hauptstandbein Bio-Weinbau Freilandschweine, Schafe und Hühner und produzieren Getreide sowie eine kleine Vielfalt an Gemüse. Wir freuen uns immer, wenn interessierte Menschen zu uns auf den Hof kommen und wir im direkten Gespräch über Zusammenhänge diskutieren können.“
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Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit ergeben sich neue Chancen für meinen Betrieb
Ein positives Image der heimischen Landwirtschaft baut Vertrauen und Verständnis in der Gesellschaft auf. Es beeinflusst Kaufentscheidungen und erhöht die Bereitschaft, öffentliche Gelder in die heimische Land- und Forstwirtschaft fließen zu lassen. In der Betriebsentwicklung ist der Dialog mit der Gesellschaft heute mehr denn je ein zentraler Produktionsfaktor und es ergeben sich für jeden einzelnen Betrieb mit aktiver Öffentlichkeitsarbeit erweiterte Chancen. Ein professioneller Umgang mit Kommunikation ist in unserer Mediengesellschaft unumgänglich. Dies gilt auch für die Land- und Forstwirtschaft.
Ein gestärktes Beziehungsnetz zwischen Produzent:innen und Konsument:innen ermöglicht eine positive Preisgestaltung und erhöht die Wertschätzung für die Landwirtschaft
Der Verarbeitungsgrad der landwirtschaftlichen Produkte nimmt laufend zu. Das wirkt sich zusätzlich auf die Wahrnehmung der Konsument:innen aus. Der Einblick in die Zusammenhänge von Saat und Ernte, Saison und Herkunft geht mehr und mehr verloren – bei Kindern wie bei Erwachsenen. Ein Einblick in Hof und Stall für „Außenstehende“ fördert das Verständnis bei den Konsument:innen und regt an, wieder mehr zu hinterfragen. Transparenz schafft Vertrauen. Eine gute Vertrauensbasis und Wertschätzung sind förderlich für echte und faire Preisgestaltung.
Funktionsweisen der Landwirtschaft
Die Landwirtschaft unterscheidet sich von anderen Wirtschaftszweigen. So ist die Landwirtschaft maßgeblich vom Rhythmus der Natur, von der Saisonalität und von wetterbedingten Produktionsschwankungen abhängig. Das industrielle Funktionsmodell „Alles kann jederzeit sofort in den gewünschten Mengen produziert werden“ kann hier nicht realisiert werden. Eine Überforderung der Natur wäre die Folge, was auch den Forderungen der Konsument:innen nach Ökologie und Lebensmittelsicherheit widersprechen würde. Die Aufklärung über diesen besonderen Sachverhalt ist ein wichtiges und grundlegendes Kommunikationsziel.
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„Weidegänsehaltung in Österreich unterscheidet sich enorm von der Gänsehaltung in anderen EU-Ländern und diese Tatsache ist viel zu wenig bekannt. Bei mir am Hof kann sich jeder jederzeit davon überzeugen, wie gut es meinen Gänsen auf der Weide geht."
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Bedeutung der Landwirtschaft (Multifunktionalität)
Die österreichischen Bäuerinnen und Bauern produzieren eine Vielfalt an hochwertigen, frischen und gesunden Lebensmitteln. Dabei muss ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber der Natur und den Bedürfnissen der Tiere an den Tag gelegt werden. Landwirt:innen sorgen für die Pflege und den Erhalt unserer Kulturlandschaft und decken mit ihrer Arbeit wichtige Grundbedürfnisse der Bevölkerung ab: Versorgung mit regionalen Lebensmitteln, Erholung, Gesundheit, Genuss und Erlebnis. Wir sollten die Besonderheit und Multifunktionalität der Land- und Forstwirtschaft gut an die Gesellschaft kommunizieren: Bäuerinnen und Bauern sind moderne Unternehmer:innen, die von und mit der Natur leben und dabei auch jeden Tag unternehmerischen Mut beweisen müssen.