Exkursionsprogramm – Bausteine der Angebotsgestaltung

Ein gutes Exkursionsprogramm entsteht nicht zufällig – es braucht eine klare Zielgruppe, ein passendes Thema und einen durchdachten Ablauf. Dieses Kapitel stellt die wichtigsten Bausteine vor, mit denen Sie Ihr Angebot Schritt für Schritt aufbauen können.

Baustein: Zielgruppendefinition

Als Zielgruppe bezeichnet man eine Gruppe von Menschen mit ähnlichen Merkmalen, die man mit seinem (Exkursions-)Angebot ansprechen und erreichen möchte. Diese Merkmale können zum Beispiel sein: Alter, Geschlecht, Wohngebiet, Ausbildung, fachliches Interesse, usw.

Tipp

Vor der Planung Ihres eigenen Exkursionsprogramms überlegen Sie sich: „Was ist das Ziel, was will ich damit erreichen?“ Dies schafft die nötige Orientierung für Ihr Exkursionsangebot und hilft, Gedanken zu sortieren.

Für jede Zielgruppe (Neukund:innen, Stammkund:innen, Leute aus der Stadt, Kinder, Jugendliche, junge Mütter/Väter, Berufskolleg:innen, usw.) sollten Sie interessante Elemente in die Exkursion integrieren und Ihr Programm darauf abstimmen.

Der Wissensstand der Zielgruppe kann sehr unterschiedlich sein. Er reicht vom tiefen Detailwissen bis hin zu sehr geringem Vorwissen zur Landwirtschaft. Dementsprechend benötigen Besucher:innen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund andere Informationen als eine Fachkraft. Mithilfe eines offenen Gesprächs am Exkursionsbeginn oder vorab mit den Veranstalter:innen kann herausgefunden werden, welche Themenbereiche für die Teilnehmer:innen besonders interessant sind, wie groß das Wissen der Teilnehmer:innen zum Thema ist (Verständnis von Fachvokabular?), welche Vorstellungen und Erwartungen die Teilnehmenden von dem Exkursionstermin haben und welche Informationen sich die Besucher:innen wünschen (Stadt-Land-Impulse und Niederösterreichische Landeslandwirtschaftskammer, 2004). So ist es möglich, sich individuell auf jede Exkursionsgruppe vorzubereiten und später negative Überraschungen oder unnötige Hektik zu vermeiden. Generell ist empfehlenswert, dass die Exkursionsgruppe nicht zu groß ist, damit ein informatives Exkursionsprogramm gewährleistet werden kann. Eine Gruppe von maximal 20 Personen ist ideal. Größere Gruppen sollten aufgeteilt werden (auch aus sicherheitstechnischen Gründen).

Baustein: Themenfindung

Da es nicht möglich ist, das Thema Landwirtschaft an einem Exkursionstermin in all seiner Bandbreite zu erörtern, ist es sinnvoll, einen besonderen Aspekt oder ein Thema herauszugreifen. Ein konkretes Thema ist zudem von Vorteil, um den roten Faden während der Exkursion zu behalten und sich nicht zu verzetteln.

Bei der Themenfindung können folgende Fragen hilfreich sein:

  • Was ist das Herausragende an meinem Hof?
  • Was sind meine Stärken?
  • Was will ich zeigen?
  • In welchem Bereich bin ich Spezialist:in?
  • Was kann ich mit überschaubarem Aufwand vorbereiten?

Das Thema könnte sich beispielsweise auf folgende Bereiche beziehen:

  • Auf den Betriebsschwerpunkt
    • „Spargelschmaus am Bauernhof“
    • „Süße Zeit – von der Rübe zum Zucker“
    • „So eine Sauerei! – Ein Schweinebetrieb stellt sich vor“
    • „Ohne Fleiß kein Mais“
  • Auf eine Besonderheit am Betrieb
    • „Unser Stall: genial digital“
    • „Der Boden – viel mehr als Dreck, der an den Schuhen klebt“
  • Auf ein Ereignis am Hof
    • Almauftrieb
  • Auf ein Ereignis / ein Thema in der Region
    • Tag der offenen Kellertür
  • Auf einen Höhepunkt im Kalenderjahr
    • Osterhase, Osterei und Osterlamm am Biohof

Sie müssen das Rad nicht komplett neu erfinden: Zu vielen Themen gibt es gute und praxiserprobte Materialien über die Ländlichen Fortbildungsinstitute Österreichs und die Landwirtschaftskammern zu beziehen (beispielsweise über Schule am Bauernhof, Seminarbäuerinnen, Urlaub am Bauernhof, Erlebnis Bauernhof, Green Care Österreich, etc.).

Tipp

Werfen Sie einen Blick auf lfi.at und holen Sie sich Inspiration.

Baustein: Workshop / praktischer Teil

Eines muss man sich bewusst sein: Niemand kann Landwirtschaft authentischer erklären und niemand kann die Lebens- und Arbeitswelt auf dem landwirtschaftlichen Betrieb besser zeigen als Bäuerinnen und Bauern selbst. Das sollten die Besucher:innen auf den Höfen auch merken – praktische Dinge herzuzeigen kommt besser an und bleibt länger in Erinnerung als Frontalvorträge. Die Aufmerksamkeitsspanne von Menschen ist nur etwa 10-15 Minuten lang, wenn keine Interaktion erfolgt. Wenn diese Zeit überschritten ist, fällt es den Teilnehmenden immer schwerer, konzentriert dem Inhalt zu folgen. Etwas praktisch vorzuzeigen oder Besucher:innen selbst Tätigkeiten verrichten zu lassen, hilft, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten. Zusätzlich kann ein praktischer Teil die Stimmung aufheitern und für neue Dynamik sorgen. Die Sicherheit der Exkursionsteilnehmer:innen steht jedoch immer an oberster Stelle.

Baustein: Programmablauf

Wie kann ich mein Programm gliedern, um zum einen den klar strukturierten Aufbau zu gewährleisten und zum anderen ein realitätsnahes Bild der Landwirtschaft wiederzugeben? Ähnlich einem Drehbuch mit dramaturgischem Aufbau kann und sollte die Exkursion einem gewissen Schema folgen:

  • Beginn/Begrüßung
  • Hauptteil: Vorstellung meiner Person, meines Betriebs sowie des Mottos
  • Praxisteil
  • Abschluss / Ausklang mit Evaluation / Möglichkeit für Fragen

Im Kapitel „Rhetorischer Aufbau“ bei der Rubrik: "Kommunikation und Führungstechniken" ist dieses Thema näher ausgeführt.

weitersagen

powered by webEdition CMS