Immer noch arbeiten Forscherinnen und Forscher häufig hinter verschlossenen Türen. Sie wissen daher oftmals nicht genau, mit welchen Problemen die Praxis kämpft und in welchen Bereichen dringend neue Lösungen gebraucht werden. Hier sollen sogenannte Operationelle Gruppen, in denen Landwirtinnen und Landwirte direkt mit der Wissenschaft an praxistauglichen Innovationen forschen, Abhilfe schaffen. Doch was braucht es, damit diese unüblichen Partnerschaften zum Erfolg werden?

Um die Innovationskraft am Land zu stärken und zu fördern, hat das Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT) im Mai 2015 zum ersten Mal zur Einreichung von Projekten im Rahmen der Europäischen Innovationspartnerschaft „Landwirtschaftliche Produktivität und Nachhaltigkeit" (EIP-AGRI) aufgerufen. Im Rahmen der EIP-AGRI werden sogenannte Operationelle Gruppen gefördert. Diese versuchen durch einen Brückenschlag zwischen Praktikerinnen und Praktikern (z.B. Landwirtinnen und Landwirten) sowie Forscherinnen und Forschern Innovationen für die Landwirtschaft auf den Weg zu bringen.

Praxis und Wissenschaft an einem Tisch
Die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteurinnen und Akteure aus Praxis und Wissenschaft ist ein zentrales Element der EIP-AGRI. Sie soll sicherstellen, dass praxisnahe, anwendungsorientiere Innovationen entstehen, von denen möglichst viele Landwirtinnen und Landwirte profitieren können. Allerdings können in der Zusammenarbeit zwischen Personen, die sonst in einem ganz anderen beruflichen Kontext zuhause sind (Arbeit am Feld vs. im Labor), auch Hürden auftauchen. Im besten Fall werden schon vor Beginn der Zusammenarbeit die richtigen Schritte gesetzt, um die Zusammenarbeit so einfach wie möglich zu machen.

Johanna Rohrhofer und Astrid Bonk, die seit 2016 als Innovationsbrokerinnen des Netzwerks Zukunftsraum Land LE14-20 tätig sind und die Umsetzung der EIP-AGRI bzw. die Operationellen Gruppen in Österreich unterstützen, haben im Zuge ihrer Arbeit drei wichtige Erfolgsfaktoren für die Zusammenarbeit unter unüblichen Partnerinnen und Partner identifiziert:

1. Drum prüfe, wer sich bindet

Der Erfolg des gesamten Projektes sowie die Qualität der Zusammenarbeit ist sehr stark von den beteiligten Personen abhängig, deshalb sollte die Auswahl der Partnerinnen und Partner sorgfältig getroffen werden. Einerseits sollten alle für das Projekt notwendigen Kompetenzen, Know-How und Ressourcen abgedeckt sein, andererseits sollten alle beteiligten Personen über eine gute gemeinsame Kommunikationsbasis verfügen. Dies kann z.B. in einem Kick-off Workshop mit allen Partnerinnen und Partnern abgetestet werden, wobei auch immer die Möglichkeit bestehen muss, sich gegen eine weitere Zusammenarbeit entscheiden zu können.

2. Übersetzer/in gesucht!

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist es stets hilfreich, wenn es eine Person in der Gruppe gibt, die eine Vermittlerfunktion zwischen den verschiedenen Gruppen einnehmen kann, sei es aufgrund des persönlichen Hintergrundes, Vorerfahrungen etc. In Teams, in denen viele unterschiedliche Personen zusammenarbeiten, ist es wesentlich, dass eine gemeinsame Sprache gesprochen wird bzw. dass jemand Teil des Teams ist, der „übersetzen“ kann.

3. Ein gemeinsames Ziel verfolgen

Für eine gute Basis der Zusammenarbeit ist es entscheidend, dass alle Projektmitglieder gemeinsame Ziele verfolgen. Das schafft den unerlässlichen Zusammenhalt innerhalb der Gruppe. Ziele sollten immer gemeinsam erarbeitet werden, um sicherzustellen, dass alle damit einverstanden sind und sich mit diesen identifizieren können. Darüber hinaus sollten zu Beginn auch Regeln der Zusammenarbeit aufgestellt werden: z.B. Wie kommuniziert das Team? Wie oft finden Treffen statt? Wie werden Entscheidungen getroffen? Je klarer die Zusammenarbeit von Beginn an geregelt ist, desto leichter fällt die Zusammenarbeit später.

 

Eines ist klar: Die Zusammenarbeit mit anderen geht (fast) immer mit einem höheren Koordinations- und Kommunikationsaufwand einher. Allerdings gilt auch: Gemeinsam kann man mehr erreichen. Und „mehr“ braucht die Landwirtschaft angesichts des voranschreitenden Klimawandels, der schwankenden Marktpreise und anderen Veränderungen dringend.

 

Daher ist es sehr positiv, dass aktuell bereits 17 Operationelle Gruppen in Österreich tätig sind, die neue Erzeugnisse, Verfahren und Technologien für die Landwirtschaft entwickeln. Die Bandbreite der Projekte reicht von innovativen Methoden der Schädlingsbekämpfung über die Testung von Maßnahmen zur Verbesserung des Tierwohls bis hin zu Entwicklung von neuen digitalen Tools (Stichwort: Landwirtschaft 4.0). Mehr Informationen zu den Projekten finden Sie in der Projektdatenbank des Netzwerk Zukunftsraum Land unter www.zukunftsraumland.at/projekte.

 

Autorin: Astrid Bonk, Netzwerk Zukunftsraum Land (astrid.bonk@zukunftsraumland.at)

 

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