
© Michael Grössinger
Kategorie: Trendradar
Datum: 03.09.2026
Das beginnt bei scheinbar einfachen Produkten: Wildkräuter, Nadeln, Beeren oder Gewürzpflanzen aus dem Wald können zu regionalen Spezialitäten verarbeitet und direkt vermarktet werden. Aus einem Naturprodukt wird so ein Lebensmittel mit eigener Geschichte und regionaler Identität.
Auch beim Holz selbst eröffnen innovative Verarbeitungskonzepte neue Möglichkeiten. Die Rundholzbauweise nach System Haberl zeigt beispielsweise, wie Rundholz direkt für Bauprojekte eingesetzt werden kann. Statt die Stämme lediglich als Ausgangsmaterial für standardisierte Schnittholzprodukte zu betrachten, wird der Baum quasi in seiner natürlichen Form Teil des fertigen Bauwerks.
Nicht immer muss aus Holz wieder Holz werden. Ein Beispiel dafür ist die Herstellung von Holzkohle, die kaum noch regional erfolgt. Die Köhlerei Wieser aus Niederösterreich setzt dabei auf ein traditionelles Verfahren und verarbeitet Holz aus der Region im Kohlenmeiler zu hochwertiger Holzkohle. So entsteht aus einem regionalen Rohstoff ein fertiges Produkt, das direkt vermarktet werden kann. Gleichzeitig wird eine traditionelle Form der Holzverarbeitung erhalten, die heute nur noch von wenigen Betrieben praktiziert wird. Der Betrieb zeigt damit, wie sich Tradition, regionale Rohstoffnutzung und Wertschöpfung miteinander verbinden lassen.
Ein anderer Ansatz setzt auf Qualität statt Menge, nämlich beim Thema Wertholz. Durch gezielte Pflege und eine langfristige Bewirtschaftung können einzelne Bäume zu besonders hochwertigen Holzsortimenten heranwachsen. Ob für Furniere, hochwertige Möbel, Musikinstrumente oder besondere Innenausbauten, die Verwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Bei der Vermarktung steht nicht die möglichst große Menge, sondern die besondere Qualität und Eignung des einzelnen Stammes im Mittelpunkt. Wertholz zeigt damit, dass sich auch innerhalb der klassischen Holzproduktion neue Wertschöpfungspotenziale erschließen lassen.
Auch die Jagd eröffnet zusätzliche Wertschöpfungsmöglichkeiten. Wildbret kann über Direktvermarktung, regionale Gastronomie oder verarbeitete Produkte vom Rohprodukt zum hochwertigen Lebensmittel werden. Herkunft, Regionalität und eine nachvollziehbare Geschichte werden dabei selbst zum Teil des Produktwerts.
Es zeigt sich, dass Wertschöpfung aus dem Wald nicht bei der klassischen Holzvermarktung enden muss. Innovative Verarbeitung, regionale Vermarktung und die Entwicklung von Nischenprodukten können neue Märkte erschließen und vorhandene Ressourcen besser nutzen. Der entscheidende Schritt liegt dabei oft darin, den Wald nicht nur als Rohstoffquelle, sondern als Ausgangspunkt für eigene Produkte, Geschichten und Wertschöpfungsketten zu denken.