
© Achim Mandler
Kategorie: Fachbeiträge
Datum: 22.10.2026
Wenn von Innovation in der Landwirtschaft die Rede ist, fällt häufig auch der Begriff Diversifizierung. Dahinter steckt die Idee, landwirtschaftliche Betriebe breiter aufzustellen, neue Geschäftsfelder zu erschließen und zusätzliche Wertschöpfung zu schaffen. Doch ist jede Innovation automatisch Diversifizierung? Und ist jede Veränderung am Betrieb gleich eine Diversifikation?
Ein genauerer Blick auf die Begriffe zeigt: Sie hängen zusammen, beschreiben aber unterschiedliche Perspektiven auf die Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Betriebe.
Was bedeutet Diversifizierung in der Landwirtschaft?
Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage für die Verwendung des Begriffs in Österreich liefert Prof. Dr. Leopold Kirner von der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik. Im Rahmen einer Studie zur land- und forstwirtschaftlichen Diversifizierung in Österreich wurde folgende Definition entwickelt:
„Diversifizierung ist eine Strategie, die über das klassische Geschäftsmodell der Land- und Forstwirtschaft hinausgeht und betriebliche Ressourcen aktiv mit dem Ziel nutzt und kombiniert, eine höhere Wertschöpfung für den Unternehmerhaushalt zu generieren.“ (Kirner et al., 2018)
Im Mittelpunkt steht also die Frage, wie ein landwirtschaftlicher Betrieb seine vorhandenen Ressourcen; beispielsweise Gebäude, Flächen, Arbeitskräfte, Maschinen oder eigene Produkte nutzen kann, um zusätzliche Wertschöpfung zu erzielen.
Typische Beispiele dafür sind:
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Direktvermarktung und Verarbeitung eigener landwirtschaftlicher Produkte
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Urlaub am Bauernhof und touristische Angebote
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Green Care und soziale Dienstleistungen
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Energieerzeugung und erneuerbare Energien
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Dienstleistungen für andere Betriebe oder Zielgruppen
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Neue Angebote im Bereich Bildung und Erlebnis am Bauernhof
Diversifizierung bedeutet somit, über die klassische land- und forstwirtschaftliche Produktion hinauszugehen und zusätzliche wirtschaftliche Standbeine zu entwickeln.
Und was ist mit Diversifikation?
Die Begriffe Diversifizierung und Diversifikation werden im allgemeinen Sprachgebrauch häufig synonym verwendet. Auch in der wirtschaftswissenschaftlichen Literatur gibt es Überschneidungen.
Vereinfacht lässt sich Diversifikation als eine Strategie beschreiben, die auf eine größere Vielfalt bei Produkten, Märkten, Tätigkeitsbereichen oder Geschäftsfeldern abzielt. Unternehmen versuchen damit beispielsweise, neue Märkte zu erschließen, ihr Angebot zu erweitern oder ihre wirtschaftliche Abhängigkeit von einzelnen Bereichen zu reduzieren.
In der Landwirtschaft kann das unterschiedliche Formen annehmen:
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Horizontale Diversifikation: Ein Betrieb erweitert sein bestehendes Produktionsangebot, beispielsweise durch neue Kulturarten oder Tierarten.
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Vertikale Diversifikation: Ein Betrieb erweitert seine Wertschöpfungskette, etwa durch die Verarbeitung und Direktvermarktung eigener Produkte.
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Laterale Diversifikation: Ein Betrieb erschließt Geschäftsfelder, die kaum oder keinen direkten Zusammenhang mit der bisherigen landwirtschaftlichen Tätigkeit haben.
Wichtig ist dabei die österreichische Begriffssystematik: Nach der von Kirner entwickelten Definition zählt nicht jede Erweiterung des Produktionsprogramms automatisch zur Diversifizierung. Entscheidend ist, dass das klassische Geschäftsmodell der Land- und Forstwirtschaft überschritten und betriebliche Ressourcen zur zusätzlichen Wertschöpfung eingesetzt werden.
Diversifikation kann somit als breiterer strategischer Blick auf die Vielfalt eines Unternehmens verstanden werden. Diversifizierung beschreibt in der österreichischen Landwirtschaft hingegen ein spezifischer abgegrenztes Konzept.
Innovation ist mehr als die Erschließung neuer Geschäftsfelder
Doch nicht jede innovative Idee auf einem landwirtschaftlichen Betrieb hat zum Ziel, einen zusätzlichen Betriebszweig aufzubauen oder neue Einkommensquellen zu erschließen.
Ein Betrieb kann auch innovativ sein, indem er seine bestehenden Abläufe verändert, neue Technologien einsetzt, Ressourcen effizienter nutzt oder neue Wege in der Produktion und Vermarktung beschreitet.
Einige Beispiele:
Neue Produktionsverfahren: Ein Betrieb setzt auf innovative Anbaumethoden, alternative Kulturen oder moderne Technologien, um die Produktion effizienter und ressourcenschonender zu gestalten.
Digitale Lösungen: Automatisierung, digitale Betriebsführung oder neue technische Anwendungen helfen, Arbeitsabläufe zu verbessern und betriebliche Entscheidungen zu erleichtern.
Nachhaltige Betriebsentwicklung: Kreislaufwirtschaft, Bodenschutz, effiziente Energienutzung oder neue Formen der Zusammenarbeit tragen dazu bei, den Betrieb langfristig zukunftsfähig aufzustellen.
Neue Formen der Zusammenarbeit: Kooperationen mit anderen landwirtschaftlichen Betrieben, Unternehmen oder regionalen Partnern eröffnen neue Möglichkeiten und schaffen Synergien.
Solche Entwicklungen müssen nicht zwangsläufig zu einem neuen Geschäftsfeld führen. Sie sind dennoch wichtige Innovationen, die einen Betrieb weiterbringen können.
Mein Hof – Mein Weg: Eine Plattform für die gesamte Innovationsreise
Genau hier setzt „Mein Hof – Mein Weg“ an.
Was 2017 als Betriebsdatenbank zur Präsentation innovativer landwirtschaftlicher Betriebe begann, hat sich zu einer umfassenden Innovationsplattform entwickelt. Heute geht es nicht mehr nur darum, erfolgreiche Beispiele zu zeigen. Die Plattform begleitet land- und forstwirtschaftliche Betriebe bei unterschiedlichen Schritten ihres Innovationsprozesses: von der ersten Idee über die Bewertung bis hin zur Umsetzung.
Das Angebot umfasst unterschiedliche Zugänge zur betrieblichen Weiterentwicklung:
Inspiration und Praxisbeispiele: Die Betriebsdatenbank und Betriebsvideos zeigen, welche Wege andere Betriebe eingeschlagen haben. Sie machen innovative Geschäftsmodelle sichtbar und regen dazu an, eigene Möglichkeiten zu entdecken.
Wissen und neue Impulse: Mit den Ideenacker-Webinaren, den Farm Up Talk - Podcasts und den Trendradar-Beiträgen werden aktuelle Entwicklungen, neue Geschäftsideen und Zukunftsthemen aufgegriffen.
Ideen entwickeln und bewerten: Der Ideencheck und der Innovationskompass unterstützen dabei, eigene Ideen zu strukturieren, Chancen und Herausforderungen zu erkennen und die Umsetzbarkeit einzuschätzen.
Von der Idee zur Umsetzung: Informationen zu Finanzierung, Beratung, Bildung und Vernetzung helfen dabei, aus ersten Überlegungen konkrete Vorhaben zu entwickeln.
Dabei geht es nicht immer darum, etwas völlig Neues zu beginnen. Manchmal liegt das größte Innovationspotenzial darin, Bestehendes anders zu denken, weiterzuentwickeln oder neu miteinander zu kombinieren.
Nicht jeder Betrieb braucht denselben Weg
Die Landwirtschaft ist vielfältig.
Genauso vielfältig sind die Möglichkeiten zur Weiterentwicklung. Während ein Betrieb durch Direktvermarktung oder Urlaub am Bauernhof neue Einkommensquellen erschließt, setzt ein anderer auf Digitalisierung, neue Produktionsverfahren oder eine effizientere Nutzung seiner Ressourcen.
Es gibt daher nicht den einen richtigen Innovationsweg. Entscheidend ist, die eigenen betrieblichen Voraussetzungen, persönlichen Interessen und wirtschaftlichen Ziele zu berücksichtigen.
„Mein Hof – Mein Weg“ möchte dazu inspirieren, Möglichkeiten zu entdecken, eigene Ideen zu entwickeln und den passenden Weg für den eigenen Betrieb zu finden.
Denn die Zukunft der Landwirtschaft entsteht nicht nur durch neue Geschäftsfelder, sondern durch die Bereitschaft, den eigenen Betrieb immer wieder neu zu denken.