From Nose to Tail: Neue Wertschöpfungspotenziale für Landwirt:innen

Mehr Wert aus dem ganzen Tier: Innereien, Special Cuts und die ganzheitliche Verwertung eines Tieres rücken wieder stärker in den Fokus. Was früher in vielen bäuerlichen Betrieben selbstverständlich war, wird heute neu entdeckt – als Ansatz für mehr Wertschöpfung, einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln und eine stärkere regionale Vermarktung.

© Achim Mandler

Kategorie: Trendradar
Datum: 15.04.2026

Warum 'Nose to Tail' ein Trendthema ist

Der Begriff 'Nose to Tail' beschreibt die möglichst vollständige Verwertung eines Tieres – von edlen Teilstücken bis hin zu weniger gefragten Bestandteilen. Dahinter steht die Idee, vorhandene Ressourcen besser zu nutzen und dem gesamten Tier wieder mehr Wert beizumessen.
Gerade in einer Zeit, in der Konsument:innen verstärkt auf Herkunft, Qualität, Tierwohl und Nachhaltigkeit achten, gewinnt dieser Ansatz neue Relevanz. Gleichzeitig wächst das Interesse an traditionellen Zubereitungsformen, regionalen Spezialitäten und handwerklich verarbeiteten Produkten.

Tradition mit neuer Aufmerksamkeit

Die Idee hinter 'Nose to Tail' ist keineswegs neu. Über viele Generationen hinweg war es in bäuerlichen Haushalten selbstverständlich, ein Tier möglichst vollständig zu verwerten. Knochen, Fett und weniger gefragte Teilstücke waren fixer Bestandteil der Küche und Ausdruck eines ressourcenschonenden Umgangs mit Lebensmitteln. Erst mit der zunehmenden Industrialisierung der Lebensmittelproduktion, veränderten Konsumgewohnheiten und der stärkeren Konzentration auf wenige Edelstücke geriet dieses Wissen vielerorts in den Hintergrund. Heute wird die ganzheitliche Verwertung wieder neu entdeckt – nicht als Rückschritt, sondern als zeitgemäßer Ansatz, der traditionelle Praxis mit aktuellen Anforderungen an Nachhaltigkeit, Wertschöpfung und bewussten Konsum verbindet.

Österreichs Potenzial: Wertschöpfung durch vollständige Verwertung

Für Österreichs Landwirtschaft kann 'Nose to Tail' neue wirtschaftliche Chancen eröffnen. Wenn ein Tier bereits mit hohem Aufwand gehalten, gefüttert und verarbeitet wurde, liegt zusätzliches Potenzial oft in jener Verwertungstiefe, die über die klassischen Edelstücke hinausgeht.

Besonders in der Direktvermarktung, in der Hofgastronomie oder in Zusammenarbeit mit der regionalen Gastronomie können dadurch neue Produkte und Vermarktungswege entstehen. Verarbeitete Spezialitäten, Suppenfleisch oder bisher weniger nachgefragte Teilstücke bieten die Chance, sich vom standardisierten Angebot abzuheben und die Wertschöpfung aus dem ganzen Tier zu erhöhen.

Neue Impulse durch Gastronomie und Direktvermarktung

Zusätzliche Dynamik erhält 'Nose to Tail' vor allem dort, wo Landwirtschaft, Verarbeitung und Gastronomie enger zusammenarbeiten. Regionale Wirtshäuser, Hofläden, Direktvermarkter und spezialisierte Fleischverarbeiter können wesentlich dazu beitragen, weniger bekannte Teilstücke wieder sichtbar zu machen und neue Anlässe für deren Konsum zu schaffen. Gerade diese Verbindung aus Herkunft, handwerklicher Verarbeitung und kulinarischer Idee macht den Ansatz für Konsument:innen greifbar. Für landwirtschaftliche Betriebe eröffnet das die Chance, sich nicht nur über das Produkt selbst, sondern auch über Qualität, Beratung und regionale Identität stärker am Markt zu positionieren.

Zwischen Tradition und Innovation

Interessant ist 'Nose to Tail' auch deshalb, weil der Ansatz traditionelle Lebensmittelkultur mit neuen Marktimpulsen verbindet. Einerseits knüpft er an altes Wissen über Verarbeitung, Haltbarmachung und Zubereitung an, andererseits entstehen daraus neue Produktideen für eine moderne, qualitätsbewusste Zielgruppe. Ob verarbeitete Spezialitäten, genussorientierte Vermarktung oder neue Rezeptformate – die ganzheitliche Verwertung bietet Raum für Innovation, ohne den Bezug zur bäuerlichen Herkunft zu verlieren. Gerade darin liegt für viele Betriebe eine Chance: Bestehende Stärken können neu sichtbar gemacht und zeitgemäß weiterentwickelt werden.

Wissen und Kommunikation als Erfolgsfaktor

Damit 'Nose to Tail' erfolgreich vermarktet werden kann, braucht es neben handwerklicher Qualität vor allem Information. Viele Konsument:innen sind mit der Zubereitung weniger bekannter Teilstücke heute kaum noch vertraut.

Hier können bäuerliche Betriebe gezielt ansetzen: mit Rezeptideen, Verarbeitungstipps und einer klaren Kommunikation über Herkunft, Qualität und den respektvollen Umgang mit dem Tier. So lässt sich Vertrauen schaffen und aus einem traditionellen Zugang ein zeitgemäßes Vermarktungsthema entwickeln.

Fazit: Tradition mit neuem Potenzial

'Nose to Tail' ist mehr als ein kulinarischer Trend. Für Österreichs Landwirtschaft kann die vollständige Verwertung ein interessanter Weg sein, Ressourcen bewusster zu nutzen, neue Zielgruppen anzusprechen und die Wertschöpfung pro Tier zu steigern. Wer das Tier wieder stärker als Ganzes denkt, verbindet Tradition, Handwerk und Vermarktung auf eine Weise, die gut in die Zeit passt.

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