Gemeinsam wachsen - Alternative Finanzierungsformen für landwirtschaftliche Projekte

Welche Möglichkeiten stehen Ihnen für die Finanzierung landwirtschaftliche Projekte zur Verfügung? Was sollten Sie als Landwirt darüber wissen?
In dieser Ausgabe des Trendradars beleuchten wir ausgewählte, alternative Finanzierungsformen und wie Betriebe dadurch ihren Ideen für ihren Betrieb umsetzen konnten.

Trendradar 13 vom 8. Mai 2024

Warum sind alternative Finanzierungsformen ein Trendthema?

Alternative Finanzierungsformen sind in der Landwirtschaft haben sich zu einem Trend entwickelt, weil sie neue Wege eröffnen, Kapital aufzubringen, Betriebe zu verbessern und innovative Ideen zu realisieren, zusätzlich zu herkömmlichen Optionen wie Eigenmitteln, Bankkrediten und Förderdarlehen.

Durch die verstärkte Nutzung von modernen Technologien, benutzerfreundliche Online-Plattformen  und die Einbindung einer breiten Basis von Unterstützern haben besonders „Crowdfunding“-Modelle an Bedeutung gewonnen. Der Trend zu alternativen Finanzierungsformen spiegelt auch die wachsende Nachfrage nach innovativen Lösungen und einem stärkeren Interesse der Bevölkerung an der Landwirtschaft wider.

 Welche Möglichkeiten alternativer Finanzierungsformen gibt es und was ist zu beachten?

Crowdfunding

Crowdfunding ist eine Methode zur Finanzierung von Projekten, bei der eine große Anzahl an Menschen, die "Crowd“, mit kleinen Geldbeträgen die Realisierung eines Vorhabens unterstützt. Sehr oft erfolgt dies über eigene Online-Plattformen, auf denen Projektinitiator:innen ihre Ideen präsentieren und um finanzielle Unterstützung bitten können.

Beim Crowdfunding kann die Geldsammlung auf verschiedene Weise erfolgen. Zum Beispiel können Unterstützer eine Spende leisten, ohne eine materielle Gegenleistung zu erwarten („Donation-based Crowdfunding“).

Das bekannteste Beispiel von Crowdfunding ist das sogenannte „Reward-based Crowdfunding“ bzw. vergütungsbasiertes Crowdfunding. Hier wird das Kapital der Geldgeber:innen in Projekte oder Unternehmen investiert. Im Gegenzug erhalten diese vom Geldnehmer:innen eine materielle Vergütung als Dankeschön für ihr Investment. Ein Beispiel aus der Landwirtschaft wären sogenannte „Genussgutscheine“ bei denen Kund:innen im Gegenzug für ihr investiertes Geld Gutscheine bekommen, mit denen sie beim entsprechenden Betrieb z.B. im Hofladen einkaufen können.

Crowdinvesting, auch „equity-based Crowdfunding“ genannt, ist eine Art des Crowdfundings, bei der Investor:innen kleine Beträge in ein Projekt oder einen Betrieb investieren und eine finanzielle Beteiligung am Projekt bzw. Unternehmen und deren zukünftigem Erfolg erhalten. Diese Art des Crowdfunding ähnelt traditionellen Investitionen am ehesten. Vorteil dabei ist, dass sich viele Menschen mit kleinen Geldbeträgen an einem Unternehmen beteiligen können.

Eine weitere Möglichkeit ist das „Lending-based Crowdfunding“, bei dem die Geldgeber einen Kredit gewähren und Zinsen oder Rückzahlungen erhalten.

Vorteile von Crowdfunding:
  • Gemeinschaftliche Unterstützung und potenzielle Kundenbindung
  • Unabhängigkeit von traditionellen Finanzinstrumenten für landwirtschaftliche Betriebe
  • Frühzeitiges Feedback für Projekte
  • Vielfältige Rolle der "Crowd" als Mitfinanzierer, Markenbotschafter und Tester
  • Erhebliche mediale Aufmerksamkeit für Kampagnen
Nachteile von Crowdfunding:
  • Erfordert sorgfältige Vorausplanung und frühzeitige Kommunikation
  • Potenzielles Risiko von fehlgeschlagenen Kampagnen trotz Bemühungen
  • Möglichkeit, dass Kampagnen übersehen oder ignoriert werden
  • Konkurrenz und Notwendigkeit, sich von anderen Projekten abzuheben
  • Erfordert Analyse verschiedener Plattformen und potenzielles Scheitern trotz positiver Ansätze

 

Seminarküchen-Crowdfunding am Serschenhof

Mithilfe einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne auf einer bekannten Onlineplattform gelang es den engagierten Betriebsführern Bettina und Gregor Tertinjek ihren Traum einer hof-eigene Seminarküche zu realisieren. Der Serschenhof steht für Innovation und Diversifizierung: Neben „Urlaub am Bauernhof" werden seit dem Umbau der ehemaligen Mostschenke in der Seminarküche vom Scherschenhof Kurse zu Themen wie Brotbacken, Kräuterkunde, Selbstversorgung und Fleischzerlegung angeboten.

Business Angels

Business Angels sind Investor:innen, die in Start-ups und Unternehmensgründungen investieren, typischerweise mit dem Ziel, Gewinn zu erzielen. Sie bieten Kapital, Fachwissen und Netzwerke, um vielversprechende Geschäftsideen zu unterstützen. Business Angels sind besonders bekannt geworden durch diverse TV-Sendungen wie 2 Minuten-2 Millionen.
Solidarische Landwirtschaft ist ein Modell, das mit jenem der Business Angels gut vergleichbar ist. Bei dieser Geschäftsform der Zusammenarbeit werden zwischen Landwirt:innen und Kund:innen, die Verantwortung, die Risiken und die Ernteerträge eines landwirtschaftlichen Betriebs geteilt. Verbraucher zahlen im Voraus für ihre Ernteanteile und erhalten regelmäßig frische Produkte direkt vom Hof. Solidarische Landwirtschaften fördern die Bildung von Gemeinschaften, kurze Versorgungsketten und die nachhaltige Produktion von landwirtschaftlichen Produkten. Nachdem durch finanzielle Investitionen von vielen „Ernteteilern" das Modell einer solidarischen Landwirtschaft (auch bekannt als CSA, „community supported agriculture) erst ermöglicht wird, können Sie als „landwirtschaftliche Business-Angels" interpretiert werden.

 

Nachdem durch finanzielle Investitionen von vielen „Ernteteilern" das Modell einer solidarischen Landwirtschaft (auch bekannt als CSA, „community supported agriculture) erst ermöglicht wird, können Sie als „landwirtschaftliche Business-Angels" interpretiert werden.

Vorteile der solidarischen Landwirtschaft (CSA):
  • Enge Verbindung zwischen Konsument:innen und Landwirt:innen
  • Direkter Zugang zu frischen regionalen Lebensmitteln und Möglichkeit zur Mitarbeit bei der Ernte
  • Reduzierung von Umweltbelastungen durch kurze Transportwege (Short Supply Chain)
  • Unterstützung lokaler Bäuer:innen und Verringerung der Abhängigkeit vom Marktpreis
  • Förderung des Gemeinschaftsgefühls und Stärkung des sozialen Zusammenhalts
Nachteile:
  • Gemeinschaftliches finanzielles Risiko bei Ernteausfällen oder schlechten Erträgen
  • Hoher Zeitaufwand für Mitglieder bei Abholung von Ernteanteilen und Teilnahme an Aktivitäten
  • Notwendigkeit für Landwirt:innen, Zeit in Kommunikation und Akquirierung von Mitgliedern zu investieren

Solawi Sacherl Tannberg

Ursula & Josef Winkler sind die Betreiber der solidarischen Landwirtschaft „Solawi Sacherl Tannberg" in Oberösterreich. Die Mitglieder von „Sacherl Tannberg" teilen sich mit Ursula und Josef Winkler sämtliche Kosten der Produktion, das damit verbundene Risiko und die anfallende Ernte. Das heißt konkret: Für einen jährlichen Fixbetrag erhalten die Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft wöchentlich einen Ernteanteil an saisonalem Bio-Gemüse und verfügbaren Schnittblumen. Es besteht die Möglichkeit für Mitglieder sich aktiv einzubringen, dies wird aber nicht vorausgesetzt. Ursula und Josef Winkler's Motto: „Wir wollen euch ganz einfach mit richtig gutem Gemüse versorgen – Gemüse mit Mehrwert und Charakter!"

Betriebsprofil

Leasing

Leasing ist eine beliebte Finanzierungsmethode, die es ermöglicht, Vermögenswerte wie Maschinen, Fahrzeuge oder Technologie zu nutzen, ohne sie kaufen zu müssen. Diese Finanzierungsform bietet eine Vielzahl von Vorteilen für Unternehmen jeder Größe und Branche.
Beim Leasing schließt ein Leasingnehmer einen Vertrag mit einem Leasinggeber ab, der den gewünschten Vermögenswert kauft und es dem Leasingnehmer gegen eine regelmäßige Zahlung zur Nutzung überlässt.
Es gibt verschiedene Arten von Leasingverträgen, beispielsweise das sogenannte Operating Leasing. Diese Form des Leasings ähnelt oft einer Miete. Es wird regelmäßige Mietgebühr für die Nutzung des Vermögenswerts, ohne jedoch Eigentum daran zu erlangen. Am Ende des Vertrags kann der Leasingnehmer den Vermögenswert normalerweise zurückgeben, erneuern oder gegen eine Gebühr kaufen. In der Praxis kommt PKW-Leasing relativ häufig vor.
Bei einem Finanzierungsleasing zahlt der Leasingnehmer regelmäßige Raten, ähnlich wie bei einem Kredit, um den Vermögenswert über die Laufzeit des Vertrags zu finanzieren. Am Ende des Vertrags hat man dann die Möglichkeit, den Vermögenswert zu einem vorher vereinbarten Preis zu erwerben.

Leasingmodelle und Tierpatenschaften können auf ähnlichen Prinzipien beruhen, insbesondere wenn es darum geht, die Nutzung von Tieren oder landwirtschaftlichen Betrieben zu ermöglichen, ohne dass der Kunde das Tier oder den Betrieb direkt besitzt. Im Rahmen von Tierpatenschaften können beispielsweise Personen oder Unternehmen gegen eine regelmäßige Zahlung die Verantwortung für die Pflege und Versorgung eines Tieres übernehmen, ohne jedoch dessen Eigentümer zu sein. Dies ähnelt dem Leasingmodell, bei dem der Leasingnehmer die Nutzung eines Vermögenswerts (z. B. eines Fahrzeugs, einer Maschine oder eines Tieres) gegen regelmäßige Zahlungen erwirbt, ohne jedoch das Eigentum zu übernehmen.

In der Landwirtschaft kann das Konzept des Tierleasings, auch bekannt als "Schweine-Leasing" oder "Kuh-Leasing", eine Form der Tierpatenschaft darstellen. Hierbei können Landwirt:innen und Konsument:innen eine enge Verbindung eingehen, indem sie gemeinsam die Verantwortung für die Aufzucht und Pflege eines Tieres übernehmen. Die Konsument:innen können gegen eine finanzielle Beteiligung an den Kosten des Tieres teilhaben, während der Landwirt oder die Landwirtin für die Versorgung des Tieres verantwortlich bleibt.

In beiden Fällen ermöglichen diese Modelle eine gemeinschaftliche Nutzung von Ressourcen und schaffen eine enge Verbindung zwischen den beteiligten Parteien, ohne dass der volle Besitz übertragen wird.

Vorteile des Leasings:
  • Nutzung von Vermögenswerten ohne großes Kapitalaufkommen
  • Flexibilität durch anpassbare Leasingverträge an die Bedürfnisse des Leasingnehmers, z.B. Vertragslaufzeit, Ratenzahlungen, Möglichkeit zum Erwerb am Vertragsende
Nachteile des Leasings:
  • Fehlendes Eigentum am Vermögenswert im Gegensatz zum Kauf, daher keine Möglichkeit zum Weiterverkauf
  • Häufige Abhängigkeit vom Leasinggeber, was als Nachteil betrachtet wird

Schweineleasing am Lanzlhof

Katrin Parz und ihr Partner Michael Skuk setzen bei ihrem Betrieb Lanzlhof in Kärnten auf „Schweine-Leasing". Sie wollen sich so unabhängiger von Marktschwankungen machen und die Verbindung von Landwirtschaft und Konsumenten stärken. Kunden haben die Möglichkeit, sich ein Schwein auszusuchen und es von der Aufzucht bis zur Schlachtung zu begleiten. Dabei wird das Tierwohl im modernen Stroh-Stall großgeschrieben. Der Preis für die Leasing-Raten wird zu Beginn der Mast festgelegt. Am Ende bekommt jeder Kunde das Fleisch zerlegt, verpackt und mit Koch-Rezepten geliefert. Mit diesem Konzept belegte der Betrieb beim heurigen Innovationspreis der Landwirtschaftskammer Kärnten den 2. Platz.

Betriebsprofil

 
Expert:innenmeinung

 

Wie können Landwirte alternative Finanzierungsformen nutzen, um ihre Betriebe zu erweitern und innovative Ideen umzusetzen? Welche Rolle spielt die direkte Verbindung zwischen Produzenten und Verbrauchern in neuen Finanzierungsmodellen für die Landwirtschaft? Welche Trends und Entwicklungen bieten Potenzial für innovative Finanzierungsansätze in der Landwirtschaft? Unternehmensberater und Steuerexperte Andreas Schlögl gibt Antworten auf diese Fragen in der achten Episode des Farm Up Talk – Podcasts. Hören Sie rein und lassen sich inspirieren!

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Veranstaltungstipps

Die vorgestellten Betriebe erzählen in diesem Webinar ausführlicher über Ihre Ideen.

 

 

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