Exoten vom Strauch

Die Landwirtschaft steht unter Druck: schwankende Märkte, Wetterextreme und steigende Anforderungen seitens der Konsument:innen. Gleichzeitig eröffnet der Klimawandel auch neue Möglichkeiten. In der Praxis zeigen sich die Veränderungen bereits deutlich: längere Vegetationsperioden, häufigere Hitzeperioden und veränderte Niederschlagsmuster. Dadurch entstehen neue Anbaubedingungen, von denen vor allem wärmeliebende Kulturen profitieren können. In diesem Beitrag stellen wir Ihnen einige Kulturen vor, die auf Sträuchern wachsen.

© Johannes Sommer

Kategorie: Trendradar
Datum: 11.06.2026

Neben Baumkulturen gewinnen auch besondere Beerensträucher an Bedeutung. Viele dieser Kulturen passen gut zu kleineren Flächen, Direktvermarktung und Verarbeitung. Sie können frisch verkauft, zu Saft, Marmelade, Sirup, Trockenfrüchten oder Pulver verarbeitet werden. Während einige Arten wie Aronia bereits in Österreich etabliert sind, befinden sich andere, etwa Physalis, Goji oder Maibeeren, noch stärker im Nischenbereich. Ihr Vorteil: Sie unterscheiden sich klar von „Standardbeeren" und können damit neue Zielgruppen ansprechen.

Physalis

Physalis, auch Andenbeere oder Kapstachelbeere genannt, ist eine wärmeliebende Kultur. Sie braucht sonnige, geschützte Standorte und eine lange Vegetationsperiode. In kühleren Regionen oder bei frühen Frösten kann die Fruchtreife schwierig werden. Deshalb ist der geschützte Anbau – etwa im Folientunnel oder Glashaus – oft vorteilhaft. Für Betriebe mit Direktvermarktung ist Physalis interessant, weil die Früchte auffällig aussehen, gut portionierbar sind und als Naschobst, Dekoration oder Spezialität vermarktet werden können. In einem österreichischen DAFNE-Projekt wurde festgehalten, dass der Anbau von Physalis in Österreich aufgrund der klimatischen Ansprüche nur unter begünstigten Bedingungen möglich ist; getestet wurden Freiland- und Glaskultur.

Maibeeren

Maibeeren, auch Honigbeeren oder Kamtschatkabeeren genannt, sind besonders früh reif, oft schon im Mai. Damit können sie eine interessante Ergänzung zu Erdbeeren und anderen frühen Beeren sein. Die Sträucher gelten als robust, winterhart und relativ anspruchslos. Sie bevorzugen gleichmäßig feuchte Standorte und liefern bei guter Befruchtung bessere Erträge, weshalb meist mehrere Sorten gepflanzt werden sollten. Geschmacklich erinnern die Früchte an Heidelbeeren, sind aber säuerlicher. Für Direktvermarktung, Fruchtaufstriche oder Verarbeitung können Maibeeren eine spannende Ergänzung darstellen.

Gojibeeren

Gojibeeren sind als „Superfood" bekannt und werden meist getrocknet importiert. Der Strauch ist robust, winterhart und kommt mit vielen Böden zurecht, solange keine Staunässe entsteht. Sonnige Standorte fördern die Fruchtbildung. Im Anbau ist jedoch zu beachten, dass Goji stark wachsen kann und regelmäßiger Schnitt beziehungsweise ein Gerüst sinnvoll ist. Für österreichische Betriebe liegt die Chance vor allem in regionalen, frischen oder schonend getrockneten Gojibeeren. Gleichzeitig ist der Markt von günstiger Importware geprägt, weshalb Qualität, Bio-Produktion und regionale Herkunft wichtige Verkaufsargumente sind.

Aroniabeeren

Aronia ist unter den exotischeren Strauchkulturen bereits vergleichsweise gut etabliert. Die Beeren sind herb, gerbstoffreich und werden daher meist verarbeitet, etwa zu Saft, Sirup, Marmelade, Pulver oder Fruchtmischungen. Der Strauch ist robust, winterhart und relativ pflegeleicht. Für gute Erträge braucht Aronia sonnige Standorte; sehr trockene Böden, Staunässe und stark kalkhaltige Standorte sind ungünstig. In Österreich ist Aronia bereits im Erwerbsobstbau angekommen: Statistik Austria führt Beerenobstanlagen inklusive Aronia in der Erhebung der Erwerbsobstanlagen 2023 an.

Betriebsbeispiele

Physalis: Biohof Wolf Vitus Feldgemüsebauer

Maibeeren: Obstbau Spitzlehner

Aroniabeeren: Rabls Genuss Raabauer Eisvogel Aroniahof Kober

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