Exoten aus der Erde – neue Kulturen für den Acker

Die Landwirtschaft steht unter Druck: schwankende Märkte, Wetterextreme und steigende Anforderungen seitens der Konsument:innen. Gleichzeitig eröffnet der Klimawandel auch neue Möglichkeiten. In der Praxis zeigen sich die Veränderungen bereits deutlich: längere Vegetationsperioden, häufigere Hitzeperioden und veränderte Niederschlagsmuster. Dadurch entstehen neue Anbaubedingungen, von denen vor allem wärmeliebende Kulturen profitieren können. Einige dieser Kulturen sind besonders für den Acker- und Feldfruchtbau interessant.

© LKÖ/Gruber

Kategorie: Trendradar
Datum: 11.06.2026

Mit den sich verändernden Klimabedingungen rücken auch am Acker neue Kulturen in den Fokus. Was früher als „zu exotisch" galt, wird heute zunehmend ausprobiert. Vor allem Kulturen, die Wärme lieben und mit trockeneren Sommern zurechtkommen, können in Österreich an Bedeutung gewinnen.

Für Betriebe kann das eine interessante Ergänzung sein – vorausgesetzt, Standort, Vermarktung und Arbeitskapazität passen zusammen. Im Folgenden zeigen wir ein Überblick über ausgewählte Kulturen, die derzeit verstärkt im Gespräch sind.

Ingwer und Kurkuma

Diese beiden tropischen Pflanzen kennt man vor allem aus dem Import – trotzdem gibt es mittlerweile erste erfolgreiche Anbauversuche in Österreich. Beim Ingwer ist eine lange, warme Vegetationsperiode und oft auch ein geschützter Anbau (z. B. Folientunnel) entscheidend. Temperaturen unter 15°C hemmen das Wachstum und Frost kann die Pflanze stark schädigen. In der Wachstumsphase braucht Ingwer eine hohe Luftfeuchtigkeit zwischen 70 und 90%. Die optimale Temperatur liegt zwischen 19 und 30°C.

Reis

Reisanbau klingt ungewöhnlich, ist aber in einzelnen Regionen – etwa im pannonischen Raum – bereits Realität. Dabei handelt es sich meist um Trockenreis, der ohne dauerhafte Überflutung auskommt und daher auch in Gegenden, wo weniger Wasser zur Verfügung steht, angebaut werden kann. Trockenreis überzeugt mit geringerer Arsenbelastung und setzt – im Vergleich zum Nassreisanbau – kein Methan frei.
Wichtig sind warme Sommer und ausreichend Wasser zum richtigen Zeitpunkt. Reis bietet Potenzial als Spezialkultur, erfordert aber Know-how und geeignete Flächen.
Der Nachteil zum Nassreisanbau ist allerdings die Unkrautbeseitigung, die händisch durchgeführt werden muss.

Safran

Safran ist eine der teuersten Kulturen weltweit. Angebaut wird er aus Krokusknollen, geerntet werden die Blütennarben per Hand. Safran hat keine hohen Ansprüche an den Boden. Wichtig sind sonnige Lagen sowie lockere, wasserdurchlässige und nährstoffreiche Böden und keine Staunässe. Während Safran heiße, trockene Sommer liebt, ist er relativ unempfindlich gegen Frost und Kälte.
Die Ernte per Hand macht den Safran zwar arbeitsintensiv, aber auch interessant für Betriebe mit viel Handarbeit und Direktvermarktung.

Kichererbsen

Als wärmeliebende Leguminose gewinnen Kichererbsen zunehmend an Bedeutung. Sie haben eine ausgeprägte Trocken- und Hitzestresstoleranz, reagieren aber empfindlich auf Staunässe.
Ein Vorteil ist die Einbindung in die Fruchtfolge durch die Stickstoffbindung. Gleichzeitig wächst in der Gesellschaft die Nachfrage nach pflanzlichem Eiweiß, was zusätzliche Marktchancen eröffnet.

Artischocken

Auch diese Kultur ist in Österreich eher selten, wird aber zunehmend getestet. Artischocken brauchen Wärme, einen windgeschützten Standort und lockere, gut durchlässige Böden, können dafür aber mehrjährig genutzt werden.

Wassermelonen

Wassermelonen profitieren stark von heißen Sommern. In warmen Lagen Österreichs sind durchaus marktfähige Erträge möglich.
Wichtig sind leichte, gut erwärmbare, schottrige Böden und ausreichend Wasser während der Blüte. Im Wachstum brauchen sie weniger Wasser und müssen vor Sonnenbrand geschützt werden.
Vermarktet werden Wassermelonen aus Österreich an den Handel oder auf regionalen Märkten.

Fazit

Ob Ingwer, Reis oder Wassermelone – viele dieser Kulturen zeigen, was unter veränderten Klimabedingungen möglich wird. Gleichzeitig gilt: Nicht jede Kultur passt zu jedem Betrieb.
Wer sich mit Exoten beschäftigt, sollte klein anfangen, Erfahrungen sammeln und die Vermarktung von Anfang an mitdenken. Dann können „Exoten vom Feld" durchaus ein zusätzlicher Baustein für die betriebliche Zukunft sein.

Betriebsbeispiele

Ingwer und Kurkuma: Claudia und Gerald Kern Bio Pusztahof Michlits

Reis: Österreis

Safran: Weinviertler Safran Schönauer Safina - Stöttinger Hof Betrieb Dominik Berger

Kichererbsen: Biohof Taschner Kolmar

Wassermelonen: Zerza Bauer

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